Small-Talk

Dieses kleine Schwätzchen unter Fremden ist mehr als nur das vermeintliche „Über-das-Wetter-Reden“. Von „Schönes Wetter heute“ über „Was machst du an einem so sonnigen Tag?“ zu „Was machst du eigentlich Beruflich?“ und „Was sind deine Hobbys?“ geht es in rasanter Geschwindigkeit. Die einen lieben dieses kurze unverfängliche Pläuschen, die anderen hassen es. Ich habe mir heute Gedanken darüber gemacht, warum dieses vermeintlich oberflächliche kurze Gespräch bei manchen Leuten so negative Emotionen hervorruft.

Ich bin eigentlich ein großer Meister im Smalltalk und habe normalerweise viel Spaß dabei. Doch seit ein paar Monaten habe ich keine Lust mehr auf Smalltalk, möchte am liebsten niemanden mehr kennenlernen. Schon auf die einfachsten und banalsten Fragen fällt mir keine Antwort mehr ein.

Als ich über den Grund nachgedacht habe, ist mir aufgefallen, dass es immer dieselben Fragen sind, die mich meine Eloquenz verlieren lassen. Die Frage nach meinem Beruf: „Was machst du denn so?“

Das ist im Moment das Thema, welches mich am meisten beschäftigt. Darüber könnte ich einen Roman schreiben, aber nicht mit ein paar wenigen Sätzen antworten. Dazu fehlt mir Klarheit in diesem Bereich. Ich habe tausend Ideen, ich habe tausend Möglichkeiten, ich habe große Wünsche und ich habe einiges, was ich mache, obwohl ich weiß, dass es nicht zu mir passt. Wie soll ich das in einem so kurzen Gespräch nur darstellen?

Anstatt mir eine Antwort zu überlegen, rasen die Gedanken durch meinen Kopf: „Was für eine unverschämte Frage?“ „Wie kann der sich erdreisten mir so eine persönliche Frage zu stellen?“ „Hält der sich für etwas besseres, nur weil sein Berufsleben klar ist?“ Und an ein Gespräch ist nicht mehr zu denken.

Andere Menschen beobachte ich dabei, wie sie aus ihrer Mitte kommen, wenn sie nach ihren Hobbys gefragt werden. Menschen, die so von ihrer Arbeit eingenommen sind, dass sie ganz vergessen haben, was ihnen in ihrer Freizeit Spaß bereitet. Wieder andere werden ganz verlegen und wissen nichts mehr zu sagen, wenn sie nach ihrer Wohnsituation gefragt werden.

Ist es nicht interessant was so ein kleiner Smalltalk über uns selbst aufzeigen kann? Was könnten wir über uns lernen, wenn wir anstatt den Smalltalk zu verteufeln, ihn verwenden würden, um herauszufinden, in welchem Bereich unseres Lebens wir Veränderung wollen?

Ich sehe den Smalltalk jetzt als etwas ganz anderes als nur ein oberflächliches Gespräch, gerade dann, wenn es mich einen Zustand des Ärgers versetzt. Ich sehe in jetzt als eine Möglichkeit zu wachsen und zu lernen.

Die Fragen, die ich mir jetzt stelle und hoffe bald eine befriedigende Antwort darauf zu finden sind: Was würde ich gerne auf diese so verhassten Fragen antworten? Wie muss ich mein Leben ändern, dass ich diese Frage geben kann?

Ein kurzer Smalltalk kann weit mehr sein, als ein kurzes oberflächliches Gespräch, es kann ein Indikator für das Maß an Klarheit im Leben sein, wenn man mutig genug ist hinzusehen.  

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