Sehnsuchtsheimat

Als ich das erste Mal im Buch „Das Lavendelzimmer“ von Nina George den Begriff „Sehnsuchtsheimat“ gelesen habe, habe ich mich sofort in ihn verliebt.

Ich wusste sofort was gemeint ist, denn auch ich trage so einen Ort meiner Sehnsucht in mir. Es ist ein Ort, dem ich mich tief verbunden fühle, weil ich dort die aufregendste Zeit meines Lebens verbracht habe. Dort bin ich erwachsen geworden. Dort habe ich die Entwicklung begonnen zu dem Menschen, der ich heute bin. Meine Sehnsuchtsheimat ist Belfast und das ganze Nordirland.

Es war so schmerzhaft damals, nach fast einem Jahr, von dort wieder wegzugehen und zu wissen, dass diese Zeit für immer vorbei ist. Erst sehr viel später habe ich verstanden, dass dieser Ort niemals zu dem geworden wäre, was er ist, wenn die Zeit dort nicht begrenzt gewesen wäre. Nur dadurch wird er immer mit dem Gefühl dieser Zeit verbunden sein.

Ich habe das Glück, dass mein Erwachsenwerden, dass mein Bewusstwerden meiner Selbst, dass meine erste wirkliche Freiheit auf immer mit Belfast verbunden ist. So werde ich auch diese Gefühle nie verlieren, denn wann immer ich an meine Sehnsuchtsheimat denke, werden ich mich auch immer an diese Gefühle erinnern, die bei anderen vielleicht mit den Jahren die vergehen immer mehr im Meer der Erinnerungen verschwimmen.

Über viele Jahre hinweg war ich traurig, dass ich nicht mehr am Ort meiner Sehnsuchtsheimat wohnen kann, mittlerweile hat der Schmerz nachgelassen und ist der Dankbarkeit gewichen, dass diese Zeit da war und zeitlich begrenzt war. Was aber nicht heißt, dass ich jedes Mal, wenn ich nach Irland zurückkehre und den Geruch aus Torf und Salzwasser rieche, mir Tränen in den Augen stehen. Trotzdem habe ich diese Zeit dort zurückgelassen und lebe mein Leben weiter, wenn auch ab und zu voller Sehnsucht nach meiner zweiten Heimat.

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