Leben ist Leid?

„Leben ist Leid“ – dieser Satz von Buddha schwirrte mir in den letzten Wochen ständig im Kopf herum. Zunächst habe ich ihn gehasst und wollte nicht wahrhaben, dass Buddha so etwas gesagt hat. Ich setzte mich in eine wunderschöne alte Kirche zum Meditieren und schon wieder war ich umgeben von Leid. Dem Leid Jesu Christi an seinem Kreuz und ich erinnerte mich an so viele Bibelstellen in denen es genau darum geht.

Warum nur haben uns sowohl Buddha als auch Jesus Christus mit auf dem Weg gegeben, dass das Leben aus Leid besteht, wo es für mich doch immer darum ging, das Leid zu vermeiden. Sei es bei mir selbst, oder bei anderen.

Ständig werden wir in der heutigen Zeit mit Leid konfrontiert. Klar, kann man wegschauen, die Nachrichten ausschalten und sich vor allem schlechten in der Welt verstecken. Auch ich habe das lange Zeit versucht. Doch im Moment habe ich kaum eine Chance dazu. Überall werde ich mit Themen konfrontiert, die mir sehr nahe gehen: Deutschlandweit das Thema Flüchtlinge und wie mit ihnen umgegangen wird (ich sitze fast jeden Tag weinend vor dem Fernseher, weil es mich so traurig macht und ich nicht weiß, wie ich dort helfen kann), aber auch im Kleinen z.B. in meiner Arbeit, in der ich oder andere Menschen ungerecht behandelt werden.

In den letzten Wochen hatte ich das Gefühl daran zu zerbrechen. Und immer wieder kam mir das Zitat von Buddha und das Bild von Jesus Christus in den Sinn. Warum nur wollten Sie uns sagen, dass wir Leiden sollen? Wollten sie uns sagen, es geht immer so weiter, immer noch mehr Leid geschieht, immer noch mehr schlimme Dinge passieren?

Doch dann plötzlich – wieder in der alten Kirche vor dem Bild Jesus am Kreuze kniend – ist mir eine andere Bedeutung eingefallen. Vielleicht bedeutet es auch: „Nur, wenn ich Leid zulasse und fühlen kann, bin ich ganz lebendig“

Vielleicht geht es darum die Bewertung loszulassen und einfach zu Sein – egal, wie sich meine Welt gerade präsentiert. Ist es nicht die Bewertung, die alles nur noch schlimmer macht. Wenn ich annehme was im Moment ist, voll und ganz annehme, könnte es nicht sein, dass dadurch alles leichter wird.

Genauso wie unsere Sorgen nichts mit der Gegenwart zu tun haben (denn sie befassen sich nur damit, was in der Zukunft passieren könnte, aber nicht muss), haben unsere Bewertungen auch nichts mit der Gegenwart zu tun.

Im Moment versuche ich nicht mehr wegzuschauen oder zu verdrängen. Und ja, es ist schwer. Aber trotzdem fühlt sich meine Welt wieder um so viel leichter an. Obwohl sich im Außen nichts verändert hat. Nur die Art und Weise, wie ich damit umgehe. Jetzt darf es sein – ohne Bewertungen. Einfach nur sein.

Das hat mich sowohl Buddha, als auch Jesus Christus gelehrt, was ich unglaublich schön finde. Glaube und Religion begleiten mich mein ganzes Leben und auch wenn ich mich heute in fast allen Religionen zu Hause fühle (da es für mich keinen Unterschied gibt), ist es schön, dass die Religion mit der ich aufgewachsen bin und die mich so sehr geprägt hat, mir all das lehren kann, was ich brauche. Der Dalai Lama hat einmal gesagt, auf die Frage, ob man Buddhist werden soll (kein wörtliches, nur sinngemäßes Zitat) Fange bei deiner eigenen Religion an zu lernen. Denn sie kann dir alles vermitteln und sie ist das, was deine Wurzeln sind. Für mich gehört auch dazu, den Glauben nicht zu verleugnen, auch wenn ich mich von der Institution der Kirche gelöst habe.

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